1. Delegationsreise: Besuch des Flüchtlingscamps Fidanlik der Stadt Diyarbakir

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Berichte von der 1. Delegationsreise November 2014

Kölner Helfen vor Ort

Besuch des Flüchtlingscamps Fidanlik der Stadt Diyarbakir

Um sich ein Bild davon zu machen, wo das bisher gespendete Geld (in Höhe von 10.000 €) eingesetzt wird, hat das Vorstandsmitglied des Vereins Kinderhilfe Mesopotamien e.V., Berit Kranz, das von der Stadt Diyarbakir errichtete und betreute Flüchtlingscamp Fidanlik besucht, in dem hauptsächlich ezidische Flüchtlinge aus Shingal Zuflucht gefunden haben, die meisten von ihnen Kinder und Frauen:DSC01566

In dem südlich von Diyarbakir auf einem Park- und Sportplatz eingerichteten Camp sind über 4000 Flüchtlinge in über 800 Zelten untergebracht. Die Zelte werden von drei bis ca. acht Personen bewohnt, im Durchschnitt etwa von fünf. Das Camp wurde in verschiedene Bereiche unterteilt, die jeweils in die Verantwortung eines der fünf Bezirke, sowie auch der Stadt Diyarbakir selbst fallen. Durch diese Arbeitsteilung soll eine bessere Organisation und Durchführung der Hilfe gewährleistet werden. Freiwillige und Flüchtlinge helfen bei den täglichen Arbeiten mit, wie etwa beim Kochen und Verteilen des Essens, das dezentral in den verschiedenen Bereichen des Camps stattfindet. Abhängig von der Anzahl an Personen erhält jede Familie ihr Essen.

Was mir direkt ins Auge fiel, waren die vielen Kinder, die überall zwischen den Zelten umherliefen, meist in Badelatschen, mit oder ohne Socken. Freiwillige Helfer (z.B. Lehrer der Bildungs-Gewerkschaft), die nach ihrer eigentlichen Arbeit ins Camp fahren, beschäftigen die Kinder mit Seilchen-Springen und Malkursen. Doch aufgrund der großen Anzahl, können die Freiwilligen nicht alle Kinder betreuen. Zum Glück gibt es auf dem Camp-Gelände Sport- und Spielplätze, auf denen sich Kinder und Jugendliche austoben können (natürlich nicht alle tausende gleichzeitig).

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Viele Eltern (bzw. meist sind ja nur noch die Mütter da) wollen ihre Kinder nicht in den angebotenen Schulunterricht schicken, da sie Angst vor muslimischer Missionierung haben. Die örtlichen Helfer versuchen, dieser Angst entgegen zu wirken, indem sie ezidische Lehrer/ Helfer für den Unterricht suchen. Es soll zum Beispiel Kurdisch, Englisch und Arabisch Unterricht angeboten werden.

Gut angenommen wird aber der dreimal wöchentlich in den Schulzelten stattfindende „Unterricht“ mit einer Psychologin, die versucht, die Kinder mental zu festigen und mit ihnen zum Beispiel bespricht, was alles schönes gegen Langeweile im Camp-Leben getan werden kann. Wie man auf den Fotos sehen kann, ist das Interesse so groß, dass Kinder sogar von draußen durch die Zeltfenster am Unterricht teilnehmen.

In der Not wird improvisiert: Menschen, die ein normal funktionierendes Heim mit Möbeln und Waschmaschine zurück lassen mussten, bauen sich nun behelfsmäßig Möbel aus Holzpaletten und waschen ihre Wäsche unter freiem Himmel mit den Händen am Brunnen. Überall im Lager weht Kleidung an Wäscheleinen. Aber wie soll es im Winter bei -30°C werden?

Das Lager verfügt über eine kleine Krankenstation, die in einer Blockhütte untergebracht ist. Die Schlangen sind lang, und die junge Ärztin, die ihren Dienst dort freiwillig ausübt, hat viel zu tun. Zwei junge Männer helfen in der kleinen Apotheke aus und nehmen Medikamente, die ich aus Deutschland mitgebracht habe, in Empfang.

Am Tag des Besuchs strahlte die Sonne und ließ die überall im Camp auf gehangene, mit den Händen am Brunnen gewaschene Wäsche schnell trocknen. Auch die Pfützen waren so gut wie ausgetrocknet. Doch wie soll das werden, wenn es wirklich Winter wird? Bei Minusgraden im zweistelligen Bereich kann die Wäsche weder mit den Händen im Brunnen gewaschen, noch draußen auf den Leinen getrocknet werden. Die vorhandenen fünf Waschmaschinen und zwei Trockner sind ein Tropfen auf den heißen Stein bei tausenden Flüchtlingen. Der Boden und somit auch die Kleidung der Kinder wird im Winter mit Matsch durchtränkt sein….

Kommen wir zum nächsten ungelösten Problem: was sollen die Menschen im Winter tragen, um sich vor der Kälte zu schützen? Es fehlt an Winterbekleidung und passendem Schuhwerk bei allen. Zudem sind die Zelte nicht winterfest. Wie damals nach dem Erdbeben in Wan im Winter 2011 sehe ich auch die Kinder aus Shingal vor mir, wie sie bei minus zwanzig Grad in Badelatschen durch die matschigen Schneepfützen laufen…

Bericht und Fotos von Berit Kranz (November 2014)

(Vorstandsmitglied von Kinderhilfe Mesopotamien e.V., Gründerverein der Initiative Kölner Helfen)