„Alan’s Rainbow“ – Ein Schul- und Waisenhausprojekt für Kobanê /Nordsyrien

Entwurf und Stand Feb 2017

Widerstand in Kobane

Die Stadt Kobanê stand über ein Jahr im Fokus der Weltgeschichte, als sie von den Terroristen des sogenannten „Islamischen Staates“ überfallen wurde. Die überwiegend von Kurden bewohnte Stadt gehört seit rund 3 Jahren zu einem der 3 Kantone in denen die Kurden in Ermangelung syrischer staatlicher Strukturen eine Selbstverwaltung aufgebaut haben.

Dadurch schaffte die im Norden Syriens lebende Bevölkerung, die sich u.a. aus Kurden, Arabern, christlichen Aramäern zusammensetzt, eine befriedete Zone im bürgerkriegsgeschüttelten Land. Viele Binnenflüchtlinge, aber auch Eziden aus dem Irak flüchteten vor Krieg, Tod und Chaos in dieses Gebiet.

Kobanê ist die Verwaltungsstadt des Kantons Kobanê und eine der größeren Städte in Nordsyrien. Die Stadt ist durch seine Grenzlage zur Türkei gekennzeichnet. Sie wurde damals beim Bau der Bagdadbahn zunächst als Stützpunkt von den Deutschen gegründet. Der Name Kobanê – manchmal auch Kobanî  ausgesprochen – ist lediglich eine Veränderung des Begriffs Kompanie. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Siedlung geteilt und ein Teil verblieb in der Türkei und ist die heutige Grenzstadt Suruc.

Für den sogenannten „Islamischen Staat“ („IS“) war die Stadt von strategischer Bedeutung, da sie eine direkte Verbindung zur Türkei darstellt und damit einen Versorgungsweg darstellte. Hingegen der Beteuerungen der Türkei, den IS nicht zu unterstützen gibt es mittlerweile veröffentlichtes Material von Geheimdiensten und Zeitungsartikel der Zeitung „Cumhurriyet“ und anderer Medien, die die Unterstützung des „IS“ belegen.

Daher wurde die Stadt vom „IS“ ins Visier genommen und für die Zeit von rund einem halbem Jahr zu großen Teilen von ihnen belagert. In Folge des Befreiungskampfes um die Stadt flohen Tausende v.a. ins Nachbarland Türkei. Die Stadt wurde im Krieg gegen den „IS“ zu 80 % zerstört.  Nach der Verdrängung der Terroristen im Januar 2015 strömten die Flüchtlinge zurück und begannen mit dem Wiederaufbau. Um den Kindern mit ihrer Traumatisierung durch Krieg und Vertreibung zu helfen, haben die LehrerInnen von Kobanê soweit es ging den Schulbetrieb und Aktivitäten darum herum aufrechterhalten. Jetzt muss so schnell wie möglich das Schul- und Betreuungsangebot auf die notwendigen Plätze angehoben werden, um diesen Kindern eine Zukunftsperspektive zu geben.

Situation im Schulwesen

Während im Januar 2015 nur noch 300 Schüler die Schule besuchten, gehen heute knapp zwei Jahre danach wieder 3500 Schüler zur Schule. Die Lehrer von Kobanê werden in drei Akademien ausgebildet: In der Fachhochschule Zozan Yusuf werden GrundschullerhrerInnen, in der Fachhochschule Givara Dali FachlehrerInnen für die Fachbereiche Mathematik, Physik, Chemie und Biologie und in der Akademie Viyan Amara LehrerInnen für die OberschullehrerInnen ausgebildet. Alle LehrerInnen erhalten zudem eine besondere Sprachförderung (derzeit Kurdisch, Aramäisch und Arabisch).

Abdi Qader , lehrte Biologie an der Universität in Aleppo und war dabei seinen Doktor vorzubereiten, als die IS-Terroristen Kobanê  angriffen.  Er entschied sich dafür in seine Geburtsstadt zurückgehen, um die zerstörten Schulen wieder aufzubauen, Kinder zu unterrichten, LehrerInnen auszubilden und das Schulsystem neu zu beleben.

Dabei soll im Unterricht die besondere Situation von Kriegskindern berücksichtigt werden. Das unter Assad verbreitete konservative System wird dabei vermieden. Jedes Kind wird in seiner Muttersprache unterrichtet – kurdische Kinder in Kurdisch, Arabische Kinder in Arabisch etc. – und als Zweitsprache wird eine zweite im Land gesprochene Sprache wie z.B. Kurdisch für arabische und Arabisch für kurdische Kinder gelehrt.  Die LehrerInnen sind neben ihrer Funktion als Lehrpersonal genauso auch AnsprechpartnerInnen für die traumatisierten Kinder, die mit ihren Nöten und Sorgen auf sie zukommen.

Es erfordert ein hohes Maß an psychologischer Kenntnis und pädagogischer Fähigkeiten auf die Kinder einzugehen. Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund des Platzmangels teilweise bis zu 60 Kinder in einer Klasse unterrichtet werden müssen. Dringend werden weitere Schulbauten benötigt. Kinder, die besonders vom Krieg betroffen sind, indem sie zu Waisen- oder Halbwaisen geworden sind, benötigen eine noch weitere zusätzliche psychologische Betreuung, die unter den gegebenen Umständen so nicht leistbar ist.

Das Schul- und Waisenhausprojekt „Alan’s Rainbow“

Genau diese Aspekte werden von dem Projekt „Alan’s Rainbow „– Ein Ort des Lebens und des Lernens für die Waisenkinder und Halbwaisenkinder mit ihrem Elternteil – aufgegriffen.

Alan hieß das Kind, das an der Westküste der Türkei am Strand angespült wurde und aus Kobanê stammte.

Alan
Alan.

Alan ist ein Symbol für die Grausamkeiten des Krieges und der Flucht geworden, welche es zu überwinden gilt. Der Regenbogen steht für deren Überwindung und für Frieden und Vielfalt in der Region.

Am Rand der Stadt Kobanê entstehen derzeit auf einem 1700 m² großen Gelände 3 Gebäude mit 3 Stockwerken. Von den 710m² Wohnfläche steht rund die Hälfte für einen Schulbau für 500 –  600 SchülerInnen zur Verfügung, die andere Hälfte ist für rd. 100 Waisen- bzw. Halbwaisenkinder als Lebensraum reserviert.

Entwurfsskizze 2
Entwurfsskizze

Das Projekt wird von verschiedenen Organisationen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden unterstützt. Realisierbar ist „Alan’s Rainbow“ nur durch Spendengelder.  Die Kosten belaufen sich auf rund 420.000,- EUR, welche zurzeit zur Hälfte gesichert ist. Da jedoch dringend Wohn- und Schulraumbedarf vorhanden ist, wurde mit dem Bau bereits begonnen. Rund 80% des Rohbaus steht bereits.

Der Träger und seine Unterstützer

Träger der Einrichtung ist die „Stiftung der Freien Frau in Rojava“. Die Stiftung arbeitet dabei mit der Kantonsverwaltung und deren Frauenrat zusammen. Dem Projekt ging eine Erhebung zu den Waisenkindern und deren Situation voraus. In Kobanê leben 62 Vollwaisen und rd. 890 Halbwaisenkinder, die durch diesen Verlust zusätzlich schwer traumatisiert sind.

Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebenssituation von Frauen und Kindern zu verbessern. Dies erfolgt durch umfangreiche Seminarprogramme für Frauen, Einrichtung von Kindergärten und Ausbildung von Erziehern, Verbesserung der Gesundheitssituation und Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für Frauen z.B. durch Gründung von Kooperativen. Durch ihre zweijährige Arbeit hat sie bereits viel Erfahrung in der Durchführung von Projekten gesammelt. Diese fließt in das Projekt „Alan’s Rainbow“ ein, welches neben dem Bau und Einrichtung der Gebäude, die Ausbildung von BetreuerInnen und LehrerInnen (inkl. traumapädagogischer Zusatzbildung mit Unterstützung der deutschen Organisation „Die Welle“ Ffm) gewährleistet. Zusätzlich soll es mit einer niederländischen Partnerorganisation ein Patensystem geben, welches die langfristige Unterstützung der Kinder sichern soll. Die Gesundheitsversorgung und – Vorsorge für die Kinder ist neben weiterer Unterstützung eingeplant.

Das Projekt wird von verschiedenen Organisationen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden unterstützt. Realisierbar ist „Alan’s Rainbow“ nur durch Spendengelder.  Die Kosten belaufen sich auf rund 420.000,- EUR, welche zurzeit zur Hälfte gesichert ist. Da jedoch dringend Wohn- und Schulraumbedarf vorhanden ist, wurde mit dem Bau bereits begonnen.

Rohbau 1
Rohbau
Rohbau 2
Rohbau

Unterstützung durch „Kölner Helfen“

Wir von „Kölner helfen“  hatten nach der Rückkehr der Flüchtlinge aus der Türkei nach Kobanê beschlossen, den Kindern dort zu helfen, ihre Traumatisierung durch Krieg und Vertreibung zu überwinden und den Schulwiederaufbau in Kobanê zu unterstützen.

Kobanê ist zu einem Symbol für den Widerstand der Bevölkerung gegen den Terror des IS geworden. Es gehört zu einem der drei Kantone im Norden Syriens, die mit ihrem Selbstverwaltungssystem mögliches gesellschaftliches Modell für ein Syrien der Zukunft praktizieren. Hilfe zur Selbsthilfe um den Menschen vor Ort in einer möglichst friedlichen Umgebung eine Perspektive zu bieten ist für unsere Entscheidung ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Ortswahl gewesen.

Die Initiative „Kölner helfen“ setzt sich zur Realisierung dieser Unterstützung  mit vier Institutionen ein: Kinderhilfe Mesopotamien e.V.(KiMe), Menschenrechtsverein Türkei-Deutschland e.V. (Tüday), GEW Kreisverband Köln und „Eine Schule für Kurdistane.V.“ .

Die Kombination von Schule und Betreuung von besonders schwer traumatisierten Kindern in Verbindung mit dem von der Stiftung angedachten Konzept hat uns überzeugt.

Von den bislang für dieses Projekt gesammelten Spenden konnten wir bereits zwei Raten über insgesamt 30.000,- EUR an die Stiftung für das Projekt weiterleiten.

Weitere Unterstützung ist notwendig und wir bedanken uns schon jetzt für Ihre eventuelle Spende. Die Gebäude sollen im nächsten Jahr fertig werden und spätestens im Frühjahr 2018 eingeweiht werden.

Bau Stand 20170228
Baustand Februar 2017

Für weitere Informationen bitte hier klicken: Auszüge aus der Projektvorstellung durch den Träger.