Bericht über die zweite Delegationsreise nach Suruç

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Allgemein, Suruc

Zur Organisierung und Begleitung von Hilfslieferungen hielten sich vier ehrenamtliche HelferInnen der Initiative „Kölner helfen“ im Zeitraum zwischen dem 28.12.2014 bis zum 05.01.2015 in der Provinz Şanlıurfa und in der dazugehörigen Kreisstadt Suruç und den Dörfern auf. Die aktuelle Flüchtlingszahl in der Provinz beläuft sich auf über 122.800 Flüchtlinge.

Diese Menschen mussten vor den Angriffen der IS-Terrormilizen aus ihrer Heimat in und um die syrisch-kurdische Stadt Kobanê fliehen und harren nun wenige Kilometer von den Kämpfen entfernt in Suruç und den umliegenden Dörfern aus. Da sich die prekäre Lage der über 50.000 Flüchtlinge zum Winter hin immer weiter zuspitzt, haben wir dringend Handlungsbedarf gesehen. Neben den nicht wintertauglichen Unterkünften und fehlender Winterkleidung, ist zudem die ausreichende Versorgung der Flüchtlinge mit Lebensmitteln weiterhin nicht gegeben. Um die Flüchtlinge so schnell wie möglich mit den dringendst benötigten Hilfsgütern versorgen zu können, haben wir uns entschlossen, diese selbst vor Ort zu besorgen und zu verteilen.

Die erste Tranche der Lebensmittellieferung wurde von Deutschland aus in enger Abstimmung mit dem Krisenstab in Suruç bei Lieferanten in Şanlıurfa (kurdisch: Rıha) bestellt. Die Lieferung umfasste 1 Tonne Zucker, 1,25 Tonnen Bohnen, 1,5 Tonnen Speiseöl, 1,2 Tonnen Käse und ca. 1000 Liter Milch für Kinder / Babys im Gesamtwert von umgerechnet 15.600 €.

Die ersten HelferInnen landeten am 28.12.2014 in Şanlıurfa. Zusätzliche Hilfsgüter wie medizinische Kleingeräte, Medikamente und Babynahrung, die sie aus Deutschland mitgebracht hatten, durften sie nicht einführen (siehe hierzu den gesonderten Pressebericht).

In Şanlıurfa wurde ein Schriftzug mit dem Namen der Initiative „Kölner helfen“ angefertigt, der bei der Hilfsgüterbelieferung zum Einsatz kam.

Bei allen Aktivitäten in Şanlıurfa, einschließlich der Lieferung der Hilfsgüter, unterstützte uns die örtliche Sektion des Menschenrechtsvereins IHD auf großartige Weise.

Diese erste Lieferung wurde am 30.12.2014 mit einem LKW von Şanlıurfa nach Suruç gebracht und im Zentraldepot der Kreisstadtverwaltung von Suruç übergeben, die für die Versorgung von über 50.000 Flüchtlingen verantwortlich ist.

In den folgenden Tagen halfen die ehrenamtlichen HelferInnen der Initiative bei der Verteilung der Hilfsgüter in den Dörfern und der Stadt Suruç, wo jeweils über 20.000 Flüchtlinge zu versorgen sind. Die zuvor für die einzelnen Familien abgepackten Hilfspakete, bestehend aus Mehl, Zucker, Bohnen, Speiseöl, Babynahrung/Milch und Pampers, wurden auf zwei große LKW geladen und an die Bedürftigen gemeinsam verteilt. Jede Flüchtlingsfamilie erhält einmal im Monat ein solches Hilfspaket vom Krisenstab der Kreisstadt Suruç.

Während der Verteilung konnten die Delegationsmitglieder beobachten, dass insbesondere die Unterbringung der Flüchtlinge sehr prekär ist. Oft leben Familien mit bis zu 10 Personen und mehr in einem einzigen Raum. Zum Teil sind die Menschen zusammengepfercht in spartanisch hergerichteten ehemaligen Ställen oder auf nur provisorisch mit Plastikplanen überdachten Höfen und Rohbauten. Die – wenn überhaupt nur spärlich vorhandenen – sanitären Einrichtungen sind katastrophal und völlig unzureichend. Hinzu kommt, dass Kindern oft barfuß oder nur in schlechtem Schuhwerk unterwegs sind. Somit ist es nur eine Frage der Zeit, wann sich Krankheiten unter diesen Umständen ausbreiten werden.

Die Versorgung der Menschen in den Flüchtlingslagern erfolgt zentral, d.h. das Essen wird in den jeweiligen Zeltküchen zubereitet und an die Flüchtlinge verteilt. Auch sonst ist das Leben in den meisten Flüchtlingslagern in Suruç inzwischen ganz gut organisiert. So gibt es in den Zelten muttersprachlichen Unterricht für die Kinder und regelmäßige Frauen- und Jugendtreffs. Auch wurde in einem der Lager ein Nähatelier eingerichtet, damit die Menschen Bekleidung wie Schlafanzüge für Kinder usw. selbst herstellen können. Toiletten und Duschen werden zentral bereitgestellt. Trotzdem bleibt auch die Versorgung in den Lagern sehr angespannt, da auf engstem Raum sehr viele Menschen zusammengelegt, die Lebensmittel sehr begrenzt sind und es oft zu Ausfällen von Wasser und Strom kommt.

Nachdem sich die Delegationsgruppe einen Überblick über die Versorgungslage der Flüchtlinge verschaffen konnte, wurde in enger Abstimmung mit dem Krisenstab eine weitere Lebensmittellieferung organisiert. Nach intensiven Preisverhandlungen mit mehreren Lieferanten wurden Hilfsgüter im Wert von umgerechnet 4.400 € gekauft. Dabei waren die Kontakte des IHD Şanlıurfa sehr wertvoll. Die erworbenen ca. 1,1 Tonnen Zuckerrübensirup, je eine halbe Tonne türkischer Honig (Helva) und Käse und 230 Packungen Babynahrung wurden am 02.01.2015 ebenfalls von Şanlıurfa nach Suruç gebracht und im Zentraldepot der Kreisstadtverwaltung von Suruç den Verantwortlichen übergeben. In den Folgetagen haben Delegationsmitglieder ein weiteres Mal beim Abpacken und Verteilen der Hilfsgüter mit geholfen.

Insgesamt kann von einer schwierigen bis dramatischen Lage der Flüchtlinge gesprochen werden. Insbesondere Frauen, Kindern und Alten drohen aufgrund schlechter Hygieneverhältnisse und der rationierten und unzureichenden Lebensmittelversorgung Krankheiten mit langfristigen Folgen. Eine psychologische Behandlung von Kriegstraumata kann aufgrund mangelnder Ressourcen nicht stattfinden.

Wir sind froh, dass wir diese Hilfsaktion so erfolgreich durchführen konnten und bedanken uns bei allen Spendern, die mit ihrer Unterstützung diese erst ermöglicht haben. Aufgrund der oben geschilderten Situation sehen wir jedoch diese Hilfsaktion nicht als abschließend an, sondern wurden leider in unserer Einschätzung bestätigt, dass eine kontinuierliche Unterstützung dringend notwendig bleibt, solange sich die Lage der Flüchtlinge nicht nachhaltig entspannt.

Deshalb wird die Initiative mit weiteren Aktionen, wie z.B. einem Benefizkonzert, auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam machen und weitere Spendengelder sammeln, um damit vor Ort direkte Hilfe leisten zu können.

Wir freuen uns über jede weitere Unterstützung.

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